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Ausbildungsplanung und -organisation

Hier finden Sie gesammelt alle unsere älteren Beiträge rund um die Themen Ausbildungsplanung und -organisation, strukturelle Gestaltung und Vorgaben sowie Umgang mit Abweichungen:

Fehlzeiten

Grundsätzlich gilt, dass Krankheits- und andere Fehlzeiten jeweils 10% der gesamten praktischen und theoretischen Ausbildungszeit nicht überschreiten dürfen (§ 13 PflBG). Dies entspricht 210 Stunden des theoretischen und praktischen Unterrichts sowie 250 Stunden der praktischen Ausbildung bei einer regulären, dreijährigen Ausbildung. Im Falle einer Schwangerschaft dürfen die Fehlzeiten 14 Wochen nicht überschreiten.

Für einen einzelnen Pflichteinsatz gilt dabei aber, dass Fehlzeiten nicht mehr als 25% der Arbeitszeit überschreiten dürfen (§ 1 (4) Ausbildungs- und Prüfungsverordnung). Pflichteinsätze in der Praxis werden nur dann als abgeleistet bewertet, wenn jeweils mindestens 75 % der Mindeststunden im jeweiligen Versorgungsbereich erbracht wurden. (Bei einem Einsatz mit 400 Std. = 300 Std.)

Werden die zulässigen Fehlzeiten überschritten, so muss beim Ausbildungsträger ein Antrag auf Verlängerung der Ausbildung oder für die Zulassung zur Prüfung ein Härtefallantrag bei der zuständigen Behörde gestellt werden.

Anrechnung von Zeiten aus der Helferausbildung

Im Gesetz zur Reform der Pflegeberufe ist auch die Anrechnung gleichwertiger Ausbildungen auf die generalistische Pflegeausbildung geregelt. Dies gilt auch, wenn nur Teile davon erfolgreich abgeschlossen wurden.

Nach § 12 (2) PflBG kann die Altenpflege- und Krankenpflegehelferausbildung auf Antrag zu einem Drittel der Dauer der Ausbildung angerechnet werden. Klar ist aber auch, dass das Erreichen des Ausbildungsziels unter keinen Umständen durch die Anrechnung gefährdet werden darf.

Mehr- und Minderstunden im praktischen Einsatz

Grundlage sind die im Ausbildungsvertrag ausgewiesenen Arbeitsstunden – diese finden Anwendung in den externen Einsätzen.

Sollten in externen Praxiseinsätzen aufgrund betrieblicher Erfordernisse Minus- bzw Mehrstunden auflaufen, so sind diese im Rahmen des Einsatzortes auszugleichen und werden nicht vom Träger der praktischen Ausbildung übernommen.

Heißt: Minusstunden können nach dem Einsatz nicht an anderer Stelle nachgearbeitet und Mehrstunden nicht mehr ausgeglichen werden. Achten Sie und Ihre Auszubildenden auf ein ausgeglichenes Stundenkonto am Ende eines jeden Einsatzes!

Einsatzorte in der praktischen Ausbildung

Laut § 3 PflAPrV Abs. 2 umfasst die praktische Ausbildung beim Träger der praktischen Ausbildung mindestens 1.300 Stunden. Der Orientierungseinsatz und ein Pflichteinsatz müssen beim Träger der praktischen Ausbildung absolviert werden. Der Vertiefungseinsatz sollte ebenfalls beim Träger der praktischen Ausbildung durchgeführt werden. Der Vertiefungseinsatz ist im Ausbildungsvertrag definiert.

Die Praxiseinsätze können in Absprache mit Schule und Betrieb auch außerhalb von Schleswig-Holstein und im europäischen Ausland stattfinden, wenn diese den Vorgaben entsprechen.

Während des externen Praxiseinsatzes werden die Auszubildenden durch geeignete Pflegefachpersonen vor Ort angeleitet. Auch die Regelungen zur Leistungseinschätzung und zu den Fehlzeiten gelten entsprechend.

Der Vertiefungseinsatz sollte in der Einrichtung erfolgen, mit der der Ausbildungsvertrag geschlossen wurde. Die Pflichteinsätze in der pädiatrischen Versorgung, in den stationären Einrichtungen der allgemeinen Akutpflege, den Einrichtungen der allgemeinen Langzeitpflege sowie der allgemeinen ambulanten Akut- und Langzeitpflege müssen vor der Zwischenprüfung erfolgen.

Einsatzorte und -zeitpunkte sollten die individuelle Entwicklung, den Lernstand und gegebenenfalls die besonderen Fähigkeiten der Auszubildenden berücksichtigen, um die Kompetenzerweiterung zu unterstützen und sie mit der Vielfalt der beruflichen Einsatzmöglichkeiten bekannt zu
machen.

Rahmenlehrpläne

Die Rahmenpläne bestehen aus dem Begründungsrahmen, dem Rahmenlehrplan für den theoretischen und praktischen Unterricht und den Rahmenausbildungsplan für die praktische Pflegeausbildung. Sie wurden von der Fachkommission nach § 53 PflBG entwickelt und haben empfehlende Wirkung. Zusammen mit der PflAPrV stellen sie eine bundesweit gültige Grundlage für die Entwicklung schulinterner Curricula und einrichtungsspezifischer Ausbildungspläne dar. Die Rahmenpläne wurden vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie vom Bundesministerium für Gesundheit geprüft.

Begleitmaterialien

Mit den Begleitmaterialien liefert die Fachkommission nach § 53 PflBG eine Erweiterung und Konkretisierung des Begründungsrahmens der Rahmenlehr- und Rahmenausbildungspläne. Hierin werden die beruflichen sowie die didaktisch-pädagogischen Kernaussagen, die der Rahmenplanentwicklung zugrunde liegen, wissenschaftlich fundiert dargelegt.

Kompetenzmatrix

Mit der Kompetenzmatrix steht ein weiteres Instrument für die Curriculumentwicklung zur Verfügung. Hiermit lässt sich schnell erfassen, in welcher Curricularen Einheit die Kompetenzen der PflAPrV vorkommen und wie oft sie insgesamt im Ausbildungsverlauf vertreten sind.

Quelle und weiterführende Informationen

Ausbildungsnachweis

Der Ausbildungsnachweis ist verbindlich vom Land Schleswig-Holstein vorgegeben. Er wird von der/dem Auszubildenden geführt und muss am jeweiligen Praxis-Einsatzort von der Praxisanleitung gegengezeichnet werden. Der Ausbildungsnachweis muss lückenlos geführt werden und ist in dieser Form Grundvoraussetzung für die Zulassung zur Abschlussprüfung.

Es besteht die Möglichkeit, eigene Dokumente in den Anhang zu nehmen, wenn sich solche zum Beispiel in der Vergangenheit bereits als gut und wertvoll herausgestellt haben.

Pflege studieren. Was steckt dahinter?

Das ausbildungsintegrierende Studium Pflege (B.Sc.) wird in Schleswig-Holstein an der Universität zu Lübeck angeboten. Auch hier liegt das Pflegeberufereformgesetz und der Rahmenlehrplan der Fachkommission zugrunde, wird jedoch ergänzt um pflegewissenschaftliche und methodische Inhalte:

Studierende lernen im Studiengang Pflege

  • auf Grundlage wissenschaftsbasierter und -orientierter Entscheidungen Pflegeprozesse zu steuern und zu gestalten.
  • vertieftes Wissen über Grundlagen der Pflegewissenschaft, des gesellschaftlich-institutionellen Rahmens des pflegerischen Handelns sowie des normativ-institutionellen Systems der Versorgung anzuwenden und so die Weiterentwicklung der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung maßgeblich mitzugestalten.
  • Sich Forschungsgebiete zu erschließen und forschungsgestützte Problemlösungen und neue Technologien in das berufliche Handeln zu übertragen und darüber Fort- und Weiterbildungsbedarfe zu identifizieren.
  • Sich kritisch-reflexiv und analytisch mit theoretischem und praktischem Wissen auseinanderzusetzten um wissenschaftsbasiert innovative Lösungsansätze im beruflichen Handlungsfeld zu entwickeln und implementieren.
  • An der Entwicklung von Qualitätsmanagementkonzepten, Leitlinien und Expertenstandards mitzuwirken.

Praktische Inhalte werden in Einrichtungen bei Praxispartnern in den Versorgungsbereichen Akut- und Langzeitpflege (stationär und ambulant), Pädiatrie und Psychiatrie erlernt.

Mit dem 3,5-jährigen Studium Pflege werden zwei Abschlüsse erlangt:

  • Nach drei Jahren (6 Semester) erlangen die Studierenden den akademischen Grad Bachelor of Sciences (B.Sc.)
  • und nach einem weiteren Semester den Berufsabschluss Pflegefachfrau/Pflegefachmann (oder spezialisierter Abschluss Altenpflege oder Gesundheits- und Kinderkrankenpflege)

Wie bei der betrieblichen Ausbildung sind auch hier drei Jahre über den Ausbildungsfonds refinanziert, die Auszubildenden erhalten eine Ausbildungsvergütung entsprechend  der üblichen Sätze des jeweiligen Praxispartners.

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